Die Wanderung vom Pico do Arieiro zum Pico Ruivo ist eine der Hauptattraktionen von Madeira. Wir haben die Wanderung gemacht und können guten Gewissens sagen, dass es die bisher schönste Wanderroute ist, die wir je gelaufen sind. Es war ein traumhafter Tag und wir wollen das Erlebte hier mit dir teilen. Viel Spaß beim Durchlesen!

Infos zur Wanderung:
  • Schwierigkeit: Mittel, aber nichts für Leute mit starker Höhenangst
  • Länge: 7,0Km einfach (14,0km gesamt)
  • Dauer: 3h – 4h reine Gehzeit einfach (6-8h reine Gehzeit gesamt)
  • Höhenmeter: 650m für Hin- und Rückweg (1300m gesamt)
  • Wanderweg: PR1 (Rückweg gleich Hinweg)

Auf unserem Weg zum Busbahnhof ist Funchal schon längst erwacht. An dem Mercado wird bereits über Fischpreise gefeilscht und in den vielen kleinen Cafés werden Espressi geschlürft. Wir sind nicht so spät dran wie das letzte mal, als wir die Wanderung versucht haben und können das rege Treiben etwas genießen. Bei unserem ersten Versuch, die Wanderung vom Pico do Ariero zu starten, hat uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Am Gipfel des Pico do Arieiro angekommen, hatten wir eine Sicht von guten 10m und es hat geregnet. Doch heute sieht das Wetter vielversprechender aus. Am Busbahnhof ist der Bus mit der Nummer 56 Richtung Santana schnell gefunden. Noch kurz auf den Busfahrer warten, der uns dann die Tickets nach Poiso für 2,75€ pro Person verkauft und schon geht die Busfahrt in die Berge los. Während sich der Bus die steilen Straßen in Funchal nach oben quält, geht die Sonne auf und lässt die Stadt und das Meer in einem tollen Licht erstrahlen. Immer weiter geht die Fahrt den Berg hoch und schon bald lassen wir Funchal hinter uns und kommen in einen nebligen Wald, wie es so viele hier auf Madeira gibt. Wir machen uns etwas Sorgen, dass das Wetter schon wieder nicht mitspielt. In Funchal ist den ganzen Tag strahlender Sonnenschein, aber an den Gipfeln der Berge kleben die Wolken fest und machen die Wanderung unmöglich. Lange bleibt uns aber nicht für unsere Sorgen, denn der Bus hält abrupt an und der Busfahrer ruft Poiso. Unsere Station! Wir packen unsere Sachen zusammen und steigen mitten im Nirgendwo aus. Nur ein kleines Café befindet sich auf der anderen Straßenseite. Wir kennen die Route noch vom letzten mal und folgen ein paar Meter der Straße, um dann links den einzigen Weg hoch zum Pico do Arieiro zu nehmen. Von dort aus wollen wir trampen, aber die Frage ist immer, wann jemand anhält und dich mitnimmt. Für den Weg hoch zum Pico do Arieiro benötigt man zu Fuß knappe 1 1/2 Stunden, erst dann beginnt die anstrengende Wanderung zum Pico Ruivo und zurück. Da ist uns eine Mitfahrgelegenheit deutlich lieber und weil sich Chrissi noch nicht so recht traut, halte ich bei jedem vorbeifahrenden Auto meinen Daumen nach oben.

Wir haben gehofft, dass wir zügig mitgenommen werden, aber dass es so schnell geht, damit hätten wir nicht gerechnet. Nach keinen 5 Minuten stoppt ein etwas älteres deutsches Paar und nachdem diese Straße nur auf den Pico do Arieiro führt, haben sie uns natürlich mitgenommen. Auf der kurzen Fahrt führen wir etwas Smalltalk mit dem Paar. Oben angekommen, bedanken wir uns noch einmal recht herzlich, wünschen den beiden einen schönen Resturlaub auf Madeira und verabschieden uns. An dem Start der Wanderung sind bereits Fotografen postiert, die den Sonnenaufgang fotografiert haben. Leider geht das ohne Mietauto für uns nicht und wir blicken auf das, was die Fotografen dort ablichten. Allein der Start der Wanderung ist ein unglaubliches Panorama. Auf dem Weg nach oben haben wir den Nebel hinter uns gelassen und schauen auf eine traumhafte Landschaft, die von zwischen den Bergen hängenden Wolken vervollständigt wird. Bevor wir überhaupt los wandern, sind wir erst einmal mit dem Fotografieren beschäftigt. Wir freuen uns jetzt schon unheimlich auf die bevorstehende Wanderung zum Pico Ruivo. Dem Menschenstrom folgend beginnt die Wanderung auf einem schmalen, aber gut befestigten Weg.

Die aufgehende Sonne wärmt unseren Rücken, als wir die ersten Meter abwärts dem Weg folgen. Fotografen, die den Sonnenaufgang fotografiert haben, kommen uns bereits entgegen. Das ist der große Nachteil, wenn du so wie wir auf den Pico do Arieiro kommen willst. Es ist kostengünstig und ohne Mietwagen möglich, aber du verpasst den Sonnenaufgang und der ist dort oben der Wahnsinn!

Weiter geht es über einige Treppen und ein etwas engeres Stück zu dem ersten Aussichtspunkt. Ninho da Manta, übersetzt das Bussardnest, lässt dich auf den Start der Wanderung zurückblicken. Aber das ist nicht alles. Bei guter Sicht kannst du von dort zwischen den Bergen hindurch den östlichsten Punkt der Insel sehen. Ein überwältigender Anblick und eine absolute Empfehlung, sich von dort den Sonnenaufgang anzusehen.

Im Bussardnest schnappe ich noch einen Gesprächsfetzen eines Guides auf. Dieser bereitet seine Gruppe gerade darauf vor, dass das nächste Stück nichts für Menschen mit Höhenangst ist. Kurz darauf wissen wir auch warum. Wir passieren ein kurzes Stück, das zwar gut gesichert ist, neben der Treppe geht es jedoch auf beiden Seiten sehr steil nach unten. Eine wirkliche Überwindung für jeden mit Höhenangst. Wir können uns vorstellen, dass so mancher dort wieder umdrehen muss. Ohne größere Schwierigkeiten lassen wir das schwere Stück hinter uns und folgen den Treppen, die sich hoch und runter zwischen den Bergen durchschlängeln. Ich bin etwas verwirrt, da die Treppen immer weiter nach unten führen und unser Ziel, der Pico Ruivo, der höchste Berg auf Madeira ist. „Alles was wir jetzt runtergehen, müssen wir später wieder hoch.“ Nach einigen Höhenmetern, die es nach unten geht, kommen wir an einen Tunnel. Das Ende ist bereits erkennbar, aber im Tunnel selber ist es stockfinster. Einige Wanderer sind besser vorbereitet als wir und kramen Stirn- oder Taschenlampen heraus. Definitiv hilfreich bei diesem Tunnel aber das Handylicht tut‘s auch einigermaßen. In dem kleinen Schein der Taschenlampe geht es durch den Tunnel und vor allem ich muss aufpassen, mich nicht zu sehr auf den Boden zu konzentrieren. Die Decke ist sehr unregelmäßig, sodass man sich hier gut den Kopf stoßen kann. Das Ende des Tunnels ist bald erreicht und in der traumhaften Bergkulisse geht es weiter über Treppen auf den Pico Ruivo zu.

Die Wanderung geht jetzt etwas gemütlich vor sich hin. Aber versteht mich nicht falsch. Sie ist deswegen nicht weniger spektakulär. Die Zeit nutzen wir, um den traumhaften Ausblick zu genießen. Es geht noch durch weitere, kürzere Tunnel und bietet immer wieder die Möglichkeit, sich an größeren Flächen kurz auszuruhen. Nachdem es fast nur nach unten ging, geht es jetzt wieder nach oben. Teilweise sogar über Metalltreppen sehr steil. Immer weiter kämpfen wir uns hoch, bis wir eine kleine Bergschneise erreichen, auf der auch schon andere Wanderer Pause machen. Die Seite, von der wir gekommen sind, ist noch mit sattem Grün bedeckt. Auf der anderen Seite kommen uns kahle, weiße Bäume entgegen, die etwas mystisches, gespenstisches an sich haben. Von dort ist es nicht mehr all zu weit. Durch diesen toten Wald umrunden wir den Pico Ruivo und haben noch einen kurzen Anstieg zu der Hütte. Diese ist der letzte Stop für uns vor dem letzten Stück auf den Gipfel. Von der Hütte können wir bereits Menschen auf dem Gipfel erkennen, doch ein paar Höhenmeter müssen wir noch zurücklegen. Mit dem Ziel vor Augen erklimmen wir den Gipfel in kürzester Zeit und können unseren Augen kaum trauen. In alle Richtungen erstreckt sich ein Bergpanorama, das sich auf dem Weg zwar angekündigt hat, aber dort oben werden die Erwartungen noch einmal getopt. Wir verbringen lange Zeit auf dem Gipfel, schießen Fotos, genießen den Ausblick und ruhen uns etwas von dem anstrengenden Hinweg aus. Nachdem alle Fotos im Kasten sind, sind wir auch bereit uns in der nahegelegenen Hütte eine kleine Stärkung und einen Espresso zu holen.

Der Rückweg verläuft so wie wir hochgekommen sind. Durch die Tunnel und über die vielen Treppen geht es zurück. Jetzt kommt mir der Spruch von vorhin wieder in den Kopf: „Alles was wir jetzt runtergehen, müssen wir später wieder hoch.“ Der Rückweg ist extrem anstrengend, geht aber alles in allem etwas schneller als der Hinweg. In guten 2 Stunden schaffen wir den Rückweg, wissen aber noch nicht genau, wie wir nach Funchal zurückkommen. Ich bin überzeugt, dass wir es mit Trampen gut schaffen sollten. Zur Not fährt von Poiso ein Bus zurück, wir wissen nur nicht genau wann dieser kommt. Auf Madeira kann man gern mal eine Stunde warten. Wir laufen an den Parkplätzen vorbei und biegen in die Straße ein, die zurück nach Poiso führt. Beim Runterlaufen sehen wir noch ein Pärchen, dass sich gerade für die Heimreise fertig macht. Wir sind noch nicht mal ganz um die Kurve, da hören wir sie hinter uns losfahren und mehr aus Spaß halte ich meinen Daumen nach oben. Und Zack. Das Pärchen hält an und fragt wo wir hinmüssen. Etwas ungläubig, dass direkt das erste Auto anhält, verständigen wir uns mit dem französischen Pärchen. Sie lassen uns in Poiso rau, da wir von dort auf jeden Fall mit dem Bus heimkommen. Bei dem Kaffee von heute Morgen angekommen, diskutieren wir noch, ob wir auf den Bus warten sollen oder einfach weitertrampen. Ich bin für weitertrampen und Chrissi will zumindest den Busfahrplan auschecken. Noch bevor sie den Busplan verstanden hat, habe ich bereits das nächste Auto angehalten. Ein junges, dänisches Pärchen nimmt uns nach Funchal mit. An diesem Tag haben wir beschlossen, Madeira als Tramper zu erkunden. Die Erfahrung war toll und trampen klappt hervorragend auf der kleinen Insel. Erschöpft von der Wanderung und dem langen Tag kommen wir in Funchal an und freuen uns etwas die Füße hochlegen zu können. Gegen 18 Uhr kommen wir wieder in unserem Airbnb an und lassen den Abend mit einem schönen Abendessen ausklingen.

Im Rückblick ein unglaublicher Tag mit einer traumhaften Wanderung und einer tollen Tramperfahrung. Wir können jedem auf Madeira die Wanderung empfehlen. Wenn du ohne Mietauto in Funchal bist, können wir auch das Trampen auf den Pico do Arieiro und zurück empfehlen. Wir können dir nicht versprechen, dass es so gut wie bei uns klappt, aber der Weg hin und zurück macht das Trampen wirklich sehr einfach.

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